Richard Wagner verstand sich nicht als Zeitgenosse des 19. Jahrhunderts, sondern als dessen Überwinder. Im Geiste verkehrte er mit denen, die er als Gleichgestellte und Gleichgesinnte erachtete, mit Sophokles, Shakespeare und Calderon, den großen Dramatik
Eberhard Straub 1983 in der FAZ
 Der Festredner Stephan Mögle-Stadel versucht die augenblickliche Situation der Menschenwelt, ihre Verhaltensweisen unter dem Raster einer humanistischen Bildung und Ausbildung als Möglichkeit und als Ziel einer Welteinheitlichkeit darzulegen.
 
Mögle-Stadel ist u.a. Vize-Vorsitzender der Weltbürgerstiftung in New York
 
 
Festvortrag von Stephan Mögle-Stadel vom 11. September 2010:
  
 
Kosmopolis und  Unitas                                                                   

Welteinheitlichkeit und humanistische Aus-Bildung       

von Stephan Mögle-Stadel

 

Ich bin im Laufe meines Lebensweges wacher und erwachsener geworden.

Ich glaube nicht mehr, wie in meiner Kindheit, an eine Vater- oder Muttergottheit.

Ich bin mir jedoch den zeit-weisen Wert eines solchen Kinderglaubens  bewusst und respektiere ihn bei anderen Menschen.

Aber ich ahne intuitiv und mittels intensiven Nachdenkens, Meditierens und psychohistorischen Forschens, dass es einen namenlosen und gestaltlosen „Urgrund des Bewusst-Seins“ gibt, eine Art tragendes universelles und auch hoch-intelligentes „Kraftfeld“ bzw. einen allumfassenden Zusammenhang. Ich möchte es nur nicht fahrlässig „Gott“ (Vater oder Göttin) nennen.

Dieser Urgrund, diese Urkraft, dieses Urfeld, diese selbstschöpferische Ganzheit hat in der werdenden Menschheitsgeschichte schon viele Namen und Ausgestaltungen erhalten. Und es wurden kindischer-weise auch schon viele „Religionskriege“ um den wahren Namen und die echte Gestalt geführt.

Wer solche Glaubenskriege und Zwangsmissionierungen durchführt, der ist nicht in religio(n), in Verbindung mit dem Urgrund und dem Urfeld, sondern der hat nur eine Konfession, die eigentlich (psychoanalytisch) eine Konfusion ist.

Ich halte große Amtskirchen mit Priesterhierarchien, wie auch sektenähnliche Gruppen mit enggefassten Dog.men und verherrlichten Führerfiguren, für lebensgefährlich.

Nicht nur, weil sie leicht dazu tendieren (verbale wie auch reale) Glaubenskriege zu führen, sondern weil sie die Menschen in ihrem Umfeld roboterhaft unfrei und unmündig machen.

Ich weiß von der Möglichkeit der geistigen Freiheit des Menschen als einem hohen Gut, welches bislang immer nur von einer kleinen Minderheit von Menschen realisiert wurde.

Für eine welt-offene Gesellschaft ist es überlebensnotwenig, dass im Bereich des Geisteslebens der Kultur und der Religion  Geistesfreiheit und Individualität eine oberste Priorität bilden.

In diesem Sinne sind solche Machtgebilde wie z. B. eine römisch-katholische Amtskirche nicht nur geistig lebensgefährlich, sondern auch Feinde einer welt-offenen Zivilgesellschaft.

„Gott ist tot!“ Gott sei dank bzw. glücklicherweise.

Ich weiß, dass es für den modernen Menschen notwendig ist, selbständig zu forschen, zu zweifeln,  und „Ich“ sagen zu lernen.

Ich weiß, dass dieses „Ich sagen“ die Gefahr von Hybris und Egomanie mit sich bringen kann, so wie auch in der (psychohistorisch nach-wirkenden) Vergangenheit  die Wir-Kollektive von Grosskirchen, Volksstämmen und Nationalstaaten der Hybris und der Gruppenegomanie anheim gefallen sind.

Gegen diese Gefahren schützt nur die unmittelbare Verbindung der Treuegemeinschaft von Mensch und Menschheit. Ohne eine Kirche, eine Priesterkaste, eine Staatsführung, eine Treueebene dazwischen.

Ich möchte diese Erkenntnis anhand eines Zitates aus einem Dialog zwischen Dorothee Sölle und mir (teilweise abgedruckt in „Dag Hammarskjölds Vermächtnis – Ich und Du, Mensch und Menschheit“, Seite 72 – 73, Amthor Verlag 2005) verdeutlichen.

SMS: „Man könnte fast sagen, dass die Menschheit, so wie sie geistig gemeint und vielleicht von einer Uridee her auch intentional veranlagt ist, für Dag Hammarskjöld zur Gottheit wurde. Das geistige Ganze der Menschheit ist eine Art Geheimnis  und es ist mehr als die Summe ihrer unvollkommenen Teile. Und zwar, wie er in seinem Tagebuch schreibt: jenseits aller Glaubensfragen.

Kein Wunder, dass die Mehrzahl der konfessionell gebundenen Theologen und Akademiker mit diesem tiefsten Aspekt einer Menschheitsreligiosität … nichts anzufangen wussten, wenn sie diesen Zukunfts-aspekt überhaupt bemerken wollten.“

Dorothee Sölle: „Ich würde mir eine solche erwachsene Mystik für das neue Jahrtausend wünschen. Hammarskjöld war schmerzlich bewusst, dass mit dem Verschwinden Gottes das Ich zum einzigen Gott avanciert. Eine der Grundschwierigkeiten fast aller Kirchen ist, dass sie eigentlich immer noch ein kindisches Verhältnis zum Vatergott voraussetzen – und ein solches auch erziehen.

Buber, Schweitzer und Hammarskjöld waren da weiter. Sie sprachen z.B. von Jesus als einen hervorragenden Menschenbruder an. Holten ihn damit aus der Entfernung durch einseitige Vergöttlichung zurück  in die menschliche Nähe. Gerade dies macht eine Nachfolge ja erst möglich.“

Aber gerade die römisch-katholische Amtskirche mit ihren teils tendenziell faschistoiden Kirchenvätern und Kirchenführern, wie leider später auch die halbstaatlichen protestantisch-evangelischen Landes-kirchen, wollen ja keine Nachfolge Jesus zulassen. Denn Menschenwesen wie Jesus würden solche Gebilde verlassen, um ihre eigene Beziehung zum Urgrund des Seins aufzubauen.

Dies trifft mehr oder minder auf alle Gebilde zu, die sich anmaßen, Weltreligionen sein zu wollen.

Ich aber glaube  nur an den Menschen und die Gemeinschaft der Menschheit, eingebunden in einer namenlosen Gem.einsamkeit, einem quasi unitarischen Hintergrund.

Diese Art und Weise von Menschheit existiert bislang nur in den frei-religiösen Herzen und im kosmo-politischen Geist der Menschgewordenen Hominiden. Im antiken Griechenland bezeichneten sich solche Menschen als Kosmopoliten. Die real existierenden „Vereinten Nationen“ sind als Idee ein möglicher Ausdruck dieser alten und multikulturellen Menschheitssehnsucht nach Weltbürgertum und Welteinheit.

Unter dem Friedensnobelpreisträger und UNO-Generalsekretär Dag Hammarskjöld hat die UNO ansatzweise eine neue Art von Menschheitspolitik betrieben. Nach seiner Ermordung 1961 ist die UNO-Idee wieder in den Zustand („Dornröschenschlaf“) einer Versammlung von uneinigen, nationalen Regierungsparteien zurückgefallen.

Ich glaube  aber dennoch daran, dass diese Nicht-UNO eines Tages wieder zu einem echten Menschheitsorgan und Weltbürgerparlament werden kann, sobald wieder genügend Menschen, Weltenbürger und Unitarier zusammenfinden, um dieses potentielles Menschheitsprojekt neu zu beleben und mit neuem, kosmopolitischen Personal auszustatten.
 
Als ich 1989 meine kosmopolitische Verweigerung des nationalen, deutschen Militärdienstes durchsetzte und später mein UNO-Zivildienstpraktikum in New York und Washington DC absolvierte, da habe ich geistig und politisch auch meine deutsch-nationale Staatsbürgerschaft ad acta gelegt. Die römisch-katholischen Kirche meiner Tauf- und Kindheitstage habe ich schon mit 18 Jahren verlassen (und nicht erst mit über 56 Jahren wie z.B. Eugen Drewermann).

Seitdem empfinde ich mich immer mehr, meine auch deutschen Wurzeln (zumindest in diesem einen Leben) nicht verleugnend sondern ob ihrer psychohistorischen Schubkraft segnend, als Bürger dieser Welt, frei von allen Konfessionen (die sich gerne als Religionen gebären), aber zugleich auch unitarisch-religiös zutiefst verbunden mit dieser äußerlich in Fraktionen und Parteien zerspaltenen „Einen Welt“.

Ich bin kein prinzipieller Pazifist; auch wenn dies ein sehr sanftes Ruhekissen ist. Genau wie Dag Hammarskjöld (der Initiator der UN-Blauhelmsoldaten) und andere Persönlichkeiten weiß ich um die Notwendigkeit eines wehrhaften und zivil couragierten Humanismus.

Genau wie der republikanische Rechts- und Nationalstaat ein Gewaltmonopol gegenüber seinen Bürgern ausübt (und dies war durchaus ein geschichtlicher Fortschritt), sollte auch eine erneuerte UNO das Gewaltmonopol gegenüber den Nationalstaaten der Erde ausüben.

Als Voraussetzung hierfür braucht es zunächst drei Schritte:

a) Die Einschränkung des Veto-Rechts der 5 permanenten Sicherheitsratsmitglieder in eigener Sache und bei Resolutionsfassungen; sowie eine Aufhebmöglichkeit von Vetos durch den Internationalen Gerichtshof in Den Haag, der damit eine Art verfassungsgerichtlichen Rang bekäme.

b) Die Wahl der nationalen UN-Vertreter durch die jeweilige Bevölkerung, ähnlich wie die Völker Europas auch ihre Vertreter für das EU-Parlament in Straßburg selbst wählen.

PS: Bekennende Nationalisten bzw. Mitglieder nationalistischer Parteien sind zur Wahl des Welt(bürger)parlaments nicht zugelassen.

c) Die Spitze des UN-Generalsekretariat (inklusive UN-Generalsekretär) besteht zukünftig nur noch aus bekennenden Kosmopoliten, welche öffentlich bei Amtseinführung geloben, die Traditionslinie von Dag Hammarskjöld zu erneuern.

Durch die Einführung nur dieser 3 Änderungen, würde die Weltgeschichte wieder einen etwas besseren bzw. ergebnis-offeneren Verlauf nehmen können.

Wenn viele Menschen damit beginnen würden, sich für solche menschheitlichen Ziele einzusetzen, anstatt sich über individuelle Glaubens- und Weltanschauungsfragen zu zerstreiten, dann könnten wir gemeinsam als Menschheit die globale Überlebenskrise und die Todesgrenzen des bisherigen Konsum-Wachstums und Energie-Heißhungers meistern.

Stattdessen steckt die Mehrheit in einer manisch-depressiven Identitätskrise fest, die sich bei zunehmenden globalen Überlebens-Stress durchaus wieder zu einer kollektiven Psychose verwickeln bzw. verengen kann.

Sie glauben, sie seien u.a. nur Katholiken, Russisch-Orthodoxe, Protestanten, Calvinisten, Anthropo-sophen („Christen“); Schiiten, Sunniten, Wahabiten, Ismaeliten, Baha’is („Moslems“); Anhänger von Shiva, Vishnu, Kali, Krishna („Hindu“); Anhänger von Mahayana, Hinayana, Lamaismus („Buddhisten); Pharisäer, Sadduzzäer, Chassidim, moderne Hebräer („Juden“); …

Wobei zumindest die monotheistischen Maniker einander oftmals bis auf Blut befehden.

Andere glauben, sie seien exklusiv Deutsche!, Türken!, Russen!, Polen!, Ukrainer!, Briten!, Iren!, Franzosen!, Österreicher!, US-Amerikaner!, Iraker!, Iraner! Syrer!, Israelis! etc. pp. und befehden einander ebenso.           (Leider ist der Begriff „Europäer“ so blut-leer geworden…)

Einige glauben auch gar nichts mehr und kämpfen nur noch für ihre Karriere in ihrer Investmentbank und ihrem weltweit operierenden Grosskonzern.

Das existenzielle Grundproblem ist, dass es zuwenig Menschen gibt auf dieser Welt, die bereit sind, als Bürger dieser Welt, für ein Überleben von Menschheit und Erde zu bürgen – ohne dabei auch noch für ihre persönlichen Glaubensvorlieben Mitläufer werben zu wollen.

Wer dies verstehen möchte, sollte sich mit psychopathologischen Gruppenprozessen befasst haben.

„Der Eine Mensch in der Einen Welt“ (Zitat Erich Fromm) ist äußerst selten.

Die Scheidelinie verläuft dort, wo z.B. der Philosoph Ortega y Gasset sie verortet hat :

„Der Mensch und die Leute“.

In dieser Welt gleicht der Bewusstseins-Zustand des Menschen fast schon einer Nahtodeserfahrung.

In einer tiefenpsychologischen Abwandlung eines Goethe-Satzes, könnte man sagen:

Wessen Gruppen-Ego nicht stirbt, bevor er körperlich stirbt, der verdirbt die Menschheit bis er stirbt.

Um diese fast buber’sche Verbundenheit von Mensch & Menschheit, dieses planetarische Mit-Verantwortungsbewusstsein zu erreichen, bedarf es einer funda.mentalen humanistischen Aus-Bildung.

Das heißt, der erwachsen werdende Mensch muss aus allen mono-kulturellen Ein-Bildungen heraus-wachsen. Wenn dies nicht als breites Weiterbildungsprogramm humanistisch organisiert werden kann, eine Art grundlegender Weltbürgerkunde-Unterricht, dann wird der Urgrund des Seins uns vielleicht in absehbarer Zukunft ein weitaus radikaleres Aus!-Bildungsprogramm bescheren.

Möglicherweise wäre diese Schock-Therapie dann, wenn sie nicht in den planetaren Exitus führt, den ja viele Licht- und Leichtgläubige sehn-süchtig als kaschierte Apokalypse erwarten, der Anfang einer neuen und geläuterten Menschheitlichkeit.

Es bedurfte ja leider auch erst der Gemetzel des 1. Weltkrieges, bevor der noch sehr schwache Völkerbund gegründet werden konnte. Und es brauchte nochmals das Fiasko eines 2. Weltkrieges, bevor die Organisation der „Vereinten Nationen“ begründet werden konnte.

Aber in jedem Menschen der Welteinheitlichkeit, in jeden echten Kosmopoliten, Humanisten und Unitarier wird dieses kollektive Ziel der Welteinheitlichkeit (nicht in mono-theistischer Uniformität, sondern in pluralistischer Universalität) schon einwenig vorweggenommen.

Unitariersein hat für mich keinerlei Glaubensinhalte, sondern nur die Bereitschaft (auch über das Mann-Frau-Sein der Geschlechterkriege hinauswachsend) ein Mensch der namenlosen Welteinheitlichkeit und der Menschheitlichkeit zu werden. Ein Bürger des Kosmos, der endlich den Namen Mensch verdient.

Dies ist ein guter Schlusssatz. Mit einer leichten Note von dezenten, humanistischen Pathos.

Die Wirklichkeit jedoch schaut einwenig anders aus. Und dies ist es, was uns als Menschen und Unitarier gelingen sollte: die Versöhnung mit der ganzen Wirklichkeit.

Authentisches und ganzheitliches Bewusst-Sein ist immerzu in seinem Bestand bedroht.

Dies gilt für das kosmopolitische Weltbürgersein genauso wie für das freireligiöse und humanistische Unitariersein. Die kosmopolitisch-antike Schule der Stoa existiert heute so nicht mehr.

Und auch der vor-unitarische „Pythagoräische Bund“ ist im Tagesbewusstsein der Weltgeschichte erloschen. So ist auch die Weltbürgerbewegung von 1948 mit ihren ca. 200.000 Kurzzeitmitgliedern wieder versandet im Mahlstrom der Zeitenhektik.

Und möglicherweise werden auch die deutschen Unitarier als solche erlöschen im namenlosen Meer der sozialen Bewegungen. Aber der Kern-Impuls des Unitarischen, wie auch des Kosmopolitischen und des Freireligiösen, wird –bislang– immer wieder auferstehen, unter neuem Namen, in anderer Gestalt und an anderen Orten. So trat der Kern des Unitarisch-Kosmopolitisch-Freidenkerischen im antiken Griechenland u.a in der Gestalt der Stoa auf, sowie verbunden mit Namen wie z.B. Zenon, Pythagoras und Diogenes. All dies war fast „Verlorengegangenheit“ im bewusstsein-dunklen Mittelalter der römisch-katholischen Amtsmachtkirche.

Und all dies kam wieder in verwandelter Gestalt und mit neuen Namen im frühen Renaissance-Humanismus. Vergessene Namen wie Aurispa, Petraca, Rienzo, Bracciolini etc. wären hier zu nennen.

Diese wiederum, für den Mainstream längst vergessen, regten die späteren Aufklärer und Humanisten des 18. Jahrhunderts an: Kant, Wieland, Herder, Lessing, Diderot, Voltaire, Montbron, Dédeyan, Paine, Franklin, Jefferson u.a. sind hier zu nennen.

Über 150 Jahre später eröffnet ein Zitat von Thomas Paine die Autobiographie von Garry Davis, welcher 1948 die moderne Weltbürgerbewegung des 20. Jahrhunderts lostrat durch seine Aktionen in Paris zur Erzwingung der „Allgemeinen Erklärung der Menschen-rechte“ durch die UNO-Regierungen.

Das Zusammenwirken des Unitarisch-Kosmopolitischen lässt sich in der Mitte des 20. Jahrhunderts auch beispielsweise gut an der Person des demokratischen Präsidentschaftskandidaten und späteren UNO-Botschafters der USA Adlai Stevenson (1900 – 1965) aufzeigen.

Dieser war aktiver Unitarier (seiner mütterlichen Familientradition gemäß) und zugleich im Beirat der World Federalist Assoziation (der väterlichen Tradition gemäß). Er stiftete einen Weltbürgerpreis, dem er u.a. seinem Freund Albert Schweitzer verliehen hat. Dieser universalistische Geist wiederum, enttäuscht vom lutheranischen Kirchenchristentum, trat der „Unitarian Universalist Church of the Larger Fellowship“ bei und übernahm später die geistige Patenschaft / Schirmherrschaft über die Unitarische Kirche in Berlin.

Das unsichtbare Band, das uns alle als Menschen eines guten, menschheitlichen Willens und Wollens verbindet, reißt nicht ab über die Jahrtausende, selbst wenn die zeitlichen Namen und Organisationsformen verschwinden und sich auflösen.

Solange es noch Menschen gibt hier auf der Erde, wird es auch immer wieder (einmal) sichtbare Manifestationen dieses Unitarisch-Kosmopolitisch-Freidenkerisch-Menschheitlichen Bandes geben.

Und die Aufgabe einer Unitarischen Akademie ist es, meiner Meinung nach, dieses Wissen um die psychohistorischen Zusammenhänge zu bewahren – und Impulse zu geben an die kommenden Generationen, welche diese anregen können, einen, nämlich ihren, Zugang zu diesem Band zu finden.

Ich danke Ihnen, heute bei dieser Feierstunde zum 40-jährigen Bestehen der Unitarischen Akademie in den Räumen der Universität Hamburg, für ihre Aufmerksamkeit und dafür, dass Sie mir die Gelegenheit geschenkt haben, diese Gedanken auszuformulieren.

In dem Einladungsprogramm zu der heutigen Festveranstaltung waren diverse Funktionen, Bücher und Titel meiner Person aufgelistet. Vergessen sie dies alles wieder. Das einzige, was wichtig ist, war, dass heute einer zu Ihnen gesprochen hat, der sich zeit seines Lebens darum bemüht, ein Mensch, ein Welten-bürger und ein freireligiöser „Unitarier“ zu werden und zu sein.

Es gilt, neben diesem Vorentwurf einer Rede, das frei gesprochene Wort vom 11. September 2010.*

 
Stephan Mögle-Stadel