"Für den, der sich aus den Ketten gelöst hat und in der Arena der Erkenntnis Tyrannen nicht anerkennt, zählt einzig er - Friedrich Nietzsche."
Giorgio Colli, Nietzsche-Forscher

Goethe-Zeitalter und Gegenwart

Deutsch-Russische Kulturbegegnungen im Gartenhaus Pinneberg vom 29.-31. August 2003 - ein Seminar der Unitarischen Akademie

Kurz nach Ostern 2002 lernten wir Professor Dr. Wladimir Gilmanow in Rauschen an der Ostsee persönlich bei einem engagierten Vortrag kennen: Wir, das war ein "Seminar auf Reisen", das "auf den Spuren von Kopernikus und Kant" versuchte, an den Orten, wo sie gewirkt hatten, zumindest etwas von der Landschaft, viel mehr noch historische Bauten, die sie gesehen hatten oder in denen sie gelebt hatten, zu erfahren und Zeit und Raum in ihre Werke mit hinein zu nehmen.


Professor Gilmanow ist in Kaliningrad geboren, spricht fließend deutsch und kann auch Kant verstehen, weiß vieles über ihn. Unter anderem ein Kant-Kenner, der ihn weitergeben kann.
Nach dem Vortrag in Rauschen ergab ein Wort das andere: Wir luden ihn ein nach Pinneberg zu unserem Kant-Seminar, das der krönende Abschluß dieser Ostpreußen-/Westpreußenexkursion der Unitarischen Akademie sein sollte. Er kam mit demAuto, brauchte 23 Stunden zur Anfahrt und sprach anschließend über Kants "Praktische Vernunft".
Da wurde uns klar, daß wir vieles einfach nicht wissen, weil wir Westdeutschen in der Nachkriegszeit eher nach Westen und in die USA geblickt hatten. Die Ostdeutschen mögen mit Sehnsucht ebenfalls dahin geblickt haben, was ihre heimlichen Bücherwünsche zeigten, sie lernten allerdings systemgesteurt russisch und auch einiges der russischen oder "sozialistischen" Kultur kennen. Und wie es der Zufall will, - oder war es beabsichtigte Lenkung und Indoktrination (?) - wir Westdeutschen schleppten für unseren Zwangsumtausch meistens Bücher nach Hause... Auch russische in Übersetzung.
Nun haben wir Professor Gilmanow ein weiteres Mal eingeladen. "Schuld" daran war unter anderem sein Ausspruch: "Ihr mit euerm Goethe..." In Wirklichkeit hatten wir uns im GARTENHAUS noch nicht intensiv mit "unserem Goethe" auseinander- oder zusammengesetzt, und es prickelte in uns, was wohl heute lebende Russen von ihm wissen könnten. Genausoviel wie von "unserm Kant" aus Königsberg?
Gut, dieses erklärt vielleicht unsere Neugierde und scheinbare Überbetonung einer lebenden Person, von der wir gleich drei Vorträge erwarten. Aber Kaliningrad/Königsberg ist so weit... Und unserscheint es äußerst wichtig, daß es zu "Kulturbegegnungen" mit Russland kommt, mit dort lebenden Menschen. Kaum hat man sich ein Wort zu eigen gemacht, da lacht es einem aus der Presse oder aus einem Veranstaltungskatalog an: Die Präsidenten Putin und Rau haben gemeinsam einen Reigen von Deutsch-Russischen Kulturbegegnungen oder Russisch-Deutschen Kulturbegegnungen für 2003/2004 eröffnet. Unbeabsichtigt, aber gern an diesen Kulturbegegnungen mitwirkend, lädt das GARTENHAUS Pinneberg und die Unitarische Akademie zu solch einer Kulturbegegnung ein: Goethe-Zeitalter und Gegenwart - Deutsch-Russische Kulturbegegnungen vom 29. bis 31. August 2003 in Pinneberg.

Freitag, 29. August 2003

20.00 Uhr: Liederabend im Gartenhaus: Goethe-Vertonungen von Franz Schubert
Isabelle Vilmar, Sopran - Newena Popow, Klavier

Sonnabend, 30. August 2003

09.15 Uhr: Günter Pahl-Keitum, Pinneberg:
Der pantheistische Impuls in der Lyrik Goethes
Vortrag
11.00 Uhr: Professor Dr. Wladimir Gilmanow, Kaliningrad:
Goethe aus dem Blickwinkel der russischen Philosophie
Vortrag
15.15 Uhr: Dr. Marianne Beese, Rostock:
Zwischen Realismus und Symbolismus - Das widerspruchsvolle Verhältnis zur Tradition in der modernen russischen Literatur: Victor Jerofejew - Victor Polowin - Ljudmilla Ulitzkaja - Tatjana Tolsteja - u. a.
Vortrag
17.00 Uhr: Professor Dr. Wladimir Gilmanow, Kaliningrad:
Gestalten der deutschen Geistesgeschichte aus den früheren deutschen Ostprovinzen: Chr. wolf, Herder, Schopenhauer, Schleiermacher, Edith Stein u. a.
Vortrag
20.00 Uhr: Ein anderer Liederabend - Es singt das Katinke-Trio russische und ukrainische Lieder
Folklore

Sonntag, 31. August 2003

09.15 Uhr: Dr. Margarete Diercks, Darmstadt:
"...Sie haben mir eine zweite Jugend anschafft und mich wieder zum Dichter gemacht, welches zu sein ich so gut als aufgehört hatte..."
Goethe an Schiller in ihren Briefgesprächen über eigene Werke, Literatur, Kunst, Naturforschung
Vortrag
11.00 Uhr: Professor Dr. Wladimir Gilmanow, Kaliningrad:
Buchpremiere - Professor Gilmanow liest aus seinem gerade auf Russisch erschienenen Buch über den anderen Königsberger Philosophen Hamann
Vortrag

Tagungskosten:

75,- Euro
50,- Euro Tagungskosten für einen Tag
10,- Euro Eintritt bei Einzelveranstaltungen

Privatunterkünfte stehen begrenzt zur Verfügung; Schlafmöglichkeiten für Jugendliche im mitzubringenden Schlafsack ohne Berechnung. Hotelunterkünfte können vorbestellt werden und sind vom Teilnehmer direkt zu bezahlen.

Anmeldungen bitte schriftlich bis zum 25. August 2003 an

Gartenhaus Günter Pahl
Tangstedter Straße 22
25421 Pinneberg

Tel. 0 41 01 / 2 24 86

Das Seminar ist bezuschußt von der Carl-Kuhlmann-Stiftung der Unitarischen Akademie e. V.

Seminar
Pinneberg - Vom 29. bis 31. August treffen sich Interessierte an der "Deutsch-russischen Kulturbewegung von der Goethezeit bis zur Gegenwart" im Gartenhaus, Tangstedter Landstraße 22, 25421 Pinneberg, Telefon (0 41 01) 2 24 86. Unter den Referenten ist Professor Wladimir Gilmanow von der Staatsuniversität Königsberg. Er spricht über "Die Aktualität Goethes für die russische Geistesgeschichte" sowie über "Leben und Werk der wirkungsmächtigen Denker aus den vormaligen ostdeutschen Provinzen" wie etwa Hamann, Herder, Schopenhauer und Schleiermacher. Auch wird er sein neues Buch über den Philosophen Johann Georg Hamann aus Königsberg vorstellen. Die Literaturwissenschaftlerin Dr. Marianne Beese aus Rostock beschäftigt sich mit dem widerspruchsvollen Verhältnis zur Tradition in der russischen Literatur. Günter Pahl wird sich mit dem pantheistischen Impuls in der Sprachkunst Goethes befassen und Dr. Margarete Diercks mit dem Schriftwechsel zwischen Goethe und Schiller. Die Vorträge werden von einem russisch-ukrainischen Musiktrio umrahmt.

Artikel im Ostpreußenblatt vom 10. April 2003