Eingefügt sind wir. Mitgeboren im Kosmos - Daseins Endlosgarn.
Margarete Dierks, Schriftstellerin

Das Phänomen Ludwig Klages (1872-1956): Denkbewegung im Spannungsfeld von Vernunft und „Irrationalismus"

Philosophie-Seminar von Gartenhaus Pinneberg und Unitarische Akademie vom 11.-12. Juni 2004 im Gartenhaus

Das GARTENHAUS-Philosophie-Seminar (Unitarische Akademie e. V.) widmet sich mit Ludwig Klages zweifellos einem großen Denker des 20. Jahrhunderts. Sein Hauptwerk mit dem provozierenden Titel „Der Geist als Widersacher der Seele" gehört in eine Denkbewe-gung, die über das Vernunft-Denken hinausgeht, dieses hinterfragt und es immer wieder einer Kritik unterzogen hat. Bei früheren Philosophie-Seminaren des GARTENHAUSES - „Immanuel Kant" und „Goethes Denkimpuls und die Philosophie Russlands" - sprach Professor Dr. Wladimir Gilmanow von der Staatsuniversität Kaliningrad (Königsberg). Prof. Gilmanow überreichte für die Bibliothek des GARTENHAUSES sein umfassendes Standardwerk über den Kant-Schüler Johann G. Hamann, einem Antipoden zu dem Aufklärungsphilosophen. Die Stellung Hamanns als Kritiker des Aufklärungszeitalters des 18. Jahrhunderts hat man oftmals verglichen mit dem umstrittenen Ludwig Klages im 20. Jahrhunderts, der angesichts des Rationalisierungsprozeß des neuzeitlichen Denkens auf bedenkliche Kehrseiten hinweist.
Das Gartenhaus-Seminar beabsichtigt keine einseitige, wohl gar ideologische Gewichtung einer philosophischen „Richtung". So werden auch Stimmen der Kritik aus marxistischer Position (Georg Lukàcs: „Die Zerstörung der Vernunft“) an diesem des „Irrationalismus" verdächtigten Klages zur Sprache kommen. Mit Klages verbindet sich das leidenschaftliche Plädoyer für die Erhaltung unseres Sterns Erde, eine radikale Mahnung der Naturzerstörung. Unbezweifelbar ist er der Denker, der mit seismographischem Gespür als erster auf die Kehrseite der naturwissenschaftlich-technische Fortschrittseuphorie und das Umwelt-Desaster hingewiesen hat.
Klages ökologisches Gegenethos wird getragen von einer in der Vergangenheit und heute neu zu entdeckenden Allbeseeltheit, einer „Göttlichkeit" des Irdischen im vielfältigen „Netzwerk" unseres Mikro- und Makrokosmos. Wir haben es mit einem Menschen, einem Philosophen zu tun, der sich denkerisch stark auf sich selber gründet.
Sein bedeutender Einsatz für eine wissenschaftlich fundierte Graphologie wird nicht angesprochen werden, wohl aber seine Ausdruckslehre, seine anstoßgebende Wirkung auf die Begründer einer neuzeitlichen Bewegungslehre, einer rhythmischen Gymnastik mit ihrer weitreichenden Wirkung auf Medizin, Gesundheitswesen und Kunst, so bei Dr. Rudolf Bode - dem sogenannten „Entdecker der Entspannung" und bei Hinrich Medau.
Schließlich werden wir Einblick nehmen in eine Gruppe junger Philosophen und Autorinnen und Autoren, die um 1900 in München und in der Boheme-Welt Schwabings anarchisch, denkerisch und dichterisch in der Runde der „Kosmiker" für ihre neue „Lebensphilosophie" experimentierend den Grund legten: Stefan George, Alfred Schuler, Karl Wolfkehl, Franziska von Rewentlow (aus Husum) und als Mittelpunktsgestalt: Ludwig Klages.
Den Mitwirkenden an diesen beiden Seminartagen ist zu danken.
Herr Prof. Dr. Dietrich Jäger (Universität Kiel), der Vorsitzende der Klages- Gesellschaft, und Prof. Dr. Hubertus Mynarek, ehemals Wien, hätten sich ebenfalls gern eingebracht, aber andere Termine verhinderten deren aktive Mitwirkung an diesem Pinneberger Klages-Gespräch. Willkommen im GARTENHAUS Pinneberg: Philosophie-Seminare sind gedacht für geistig-seelisch aufgeschlossene Besucher.

GÜNTER PAHL-KEITUM

Freitag, 11. Juni 2004

18.30 Uhr: Abendessen für Hausgäste
20.00 Uhr: Jochen Kirchhoff, Berlin:
Der Geist als Widersacher der Seele? Das Phänomen Ludwig Klages
Vortrag


Sonnabend, 12. Juni 2004

09.15 Uhr: Günter Pahl-Keitum, Pinneberg:
Aus der Werdegeschichte des Ludwig Klages
Orte seines Lebens: Hannover - München - Zürich
Vortrag mit Anmerkungen zu seinem Werk
11.00 Uhr: Sascha Estis, Pinneberg:
Versuch über den Vernunft-Begriff bei Georg Lukàcs
Vortrag
15.15 Uhr: Reinhard Seebohm, Kiel:
Vom Wesen des Rhythmus - Takt und Rhythmus in der lebensphilosophischen Deutung Klages'
Vortrag
17.00 Uhr: Jochen Kirchhoff, Berlin:
Ludwig Klages als Vordenker der Ökophilosophie
Vortrag
20.00 Uhr: Ursula Sander, Pinneberg:
Entspannung und Spannung in der Bewegung
Elementarübungen zur rhythmischen Ausdrucksgymnastik

Tagungskosten:

60,- €
45,- € Tagungskosten für einen Tag
8,- € Eintritt bei Einzelveranstaltungen

Privatunterkünfte stehen begrenzt zur Verfügung; Schlafmöglichkeiten für Jugendliche im mitzubringenden Schlafsack ohne Berechnung. Hotelunterkünfte können vorbestellt werden und sind vom Teilnehmer direkt zu bezahlen.

Anmeldungen bitte an

Gartenhaus Günter Pahl
Tangstedter Straße 22
25421 Pinneberg

Tel. 0 41 01 / 2 24 86

Das Seminar ist bezuschußt von der Carl-Kuhlmann-Stiftung der Unitarischen Akademie e. V.

Pinneberg
Seminar beschäftigt sich mit Ludwig Klages

Pinneberg - Günter Pahl lädt zu einem Gartenhaus-Seminar über den Philosophen Ludwig Klages (1872-1956) ein. Das Seminar beginnt am Freitag, 11. Juni, um 20 Uhr mit einem Vortrag von Jochen Kirchhoff mit dem Titel "der Geist als Widersacher der Seele?". So heißt auch das Hauptwerk Klages. Am Sonnabend wird das Seminar um 9.15 Uhr fortgesetzt. Dann spricht Pahl über die Entwicklung Klages und macht Anmerkungen zum Werk des Denkers. Von 11 Uhr an wird Sascha Estis über den Vernunft-Begriff bei Georg Lukacs Anmerkungen machen. Mit Takt und Rhythmus in der lebensphilosopischen Deutung Klages beschäftigt sich von 15.15 Uhr an Reinhard Seebohm. Und Kirchhoff beleuchet Klages als Vordenker der Öko-Philosophie von 17 Uhr an. Von 20 Uhr an klingt das Seminar mit Elementarübungen zur rhythmischen Ausdrucksgymnastik von der Pinneberger Musikpädagogin Ursula Sander aus.

Alle Veranstaltungen finden in Pahls Pinneberger Gartenhaus, Tangstedter Straße 22, statt. Die Tagungskosten betragen 60 Euro. Alle Vorträge können für acht Euro Teilnahmegebühr auch einzelnd besucht werden. Anmeldung bei Günter Pahl unter der Rufnummer 04101/224 86. kuk

Artikel im Hamburger Abendblatt vom 10. Juni 2004